Seit meinem Umzug nach Zürich hat sich das Atelier vom reinen Servicebüro für Schnitttechnik zu einer ansehlichen kleinen Näherei für Prototypen und Kleinserien gewandelt. Mittlerweilen kann ein breites Spektrum von Fertigungsarten abgedeckt werden.
Maschinen, die gerade nicht benötigt werden, schlummern im Keller - manche sofort einsatzbereit, andere in Einzelteilen. Für die meisten Anwendungen ist gesorgt. Was hier steht, ist für den Gebrauch und nicht für museale Zwecke gedacht. Die Aufzählung ist nicht vollständig - in Wirklichkeit sind es einige mehr.

Wo immer die "kleinen" Maschinen Stiche auslassen oder ein mangelhaftes Stichbild erzeugen, hilft
die
Dürkopp 244 weiter. Bestückt mit horizontalem Greifer, können mit dieser
Maschine dickere Materialen verarbeitet werden. Man kann mit einer oder mit zwei Nadeln nähen.
Dank kräftigem Transport lassen sich allerhand Apparate montieren.

Mit Overlock-Maschinen nähe und versäubere ich Kanten.
Auf dem Bild wird eine 3-Faden Overlocknaht genäht: Auf einen
Nadelfaden kommen zwei Legefaden, die die Stoffkanten umschliessen. Diese Maschine
hier kann aber auch zusätzlich einen 2-Faden-Kettenstich nähen und wir so zur
Safety-Maschine.
Weitere Maschinen dieser Art stehen im Einatz.
Es kann ein sehr schmaler Stich genäht werden, was bei T-Shirts und Unterwäsche
Anwendung findet. Eine andere näht einen sehr dichten Stich. Eine weitere
Maschine erstellt einen
Blindstich, der in Jerseysäumen zu finden ist.

Knöpfe nähe ich nach Möglichkeit nicht von Hand an. Die
Juki MB-373
mit Fadenabschneider übernimmt diese Arbeit. Die Maschine kann für
verschiedene Arbeiten eingerichtet werden. So lassen sich
Knöpfe mit und
ohne Stiel annähen. Sowohl vierloch als auch Wäscheknöpfe mit
zwei Löcher können angenäht werden. Letzterer Vorgang lässt sich mit einem
speziellen Aufsatz für einen einfachen
Riegel verwenden.
Vierlochknöpfe können direkt mit
Gegenknopf angenäht werden.


Für Knopflöcher kommt eine Nähmaschine mit raffinierter Mechanik
zum Einsatz, hier im Bild eine
MINERVA P3Z. Dabei handelt es sich
um den Nachbau einer Dürkopp; die Maschine stammt aus der ehemaligen
Tschechoslowakei. Mit der Maschine im Bild können verschiedene Typen von Knopflöchern
hergestellt werden. Für Jeans eignet sich die Ausführung mit
Keilriegel.
Für Mäntel und Vestons verwendet man ein
Knopfloch mit Querriegel.


Die
Kappnaht ist ein wichtiges Detail bei
Jeansbekleidungen. Um
sie herzustellen, werden mindestens zwei separate
Kettenstiche benötigt. Die meisten Kappmaschinen haben drei Nähte. Geformt
werden die Stoffkannten mit einer Kappführung.
Für das Schliessen von Hosenbeinen und Ärmeln eignet sich eine
Armabwärts-Maschine. Unten sehen Sie eine solche im Einsatz. Für schwere Materialien habe ich eine weitere mit Puller angeschafft.
Seiten- und Schrittnähte sind einer grossen
Zugbelastung ausgesetzt.
Damit die Nähte nicht reissen, ist es sinnvoll, einen Kettenstich zu verwenden.
Die Belastung verteilt sich auf die Fadenkette.
Kettenstichnähte sind deshalb strapazierfähiger. Damit das Nähen
bei langen Nähten schneller geht, verfügt diese Maschine
über eine
pneumatische Kantenführung.
Gurtschlaufen werden auf einer speziellen Maschine gefertigt,
zum Beispiel einer Union Special mit
angebautem
Galkin Ablängmechanismus. Die Gurtschlaufen werden genäht und folgend mittels Messer auf die gew¨nschte Länge abgeschnitten.
Der Abschneidemechanismus verfügt sogar über einen Zähler.

Bei Freizeithosen und Jeans wird der
Bund oft in einem Durchgang
an die Hose genäht. Dazu ist eine
Mehrnadelmaschine mit entsprechender
Führung nötig. Je nach Aufbau der Führung, wird ein Bund aus einem oder
zwei Teilen geformt. Derselbe Maschinentyp eignet sich auch für Rennstreifen
und ist wohl zu Tausenden bei
adidas im Einsatz.

Ein spezielle 2-Nadelmaschine wurde für
Passepoiltaschen entwickelt:
Ein Führung faltet einen Stoffstreifen, die Maschine näht ihn an
und schneidet gleichzeitig den Tascheneingriff auf.


Im Einsatz stehen auch verschiedene
Pressen. Für die Kindermützen
benötige ich eine
Ösenpresse.
Eine andere Presse montiert Nieten und Knöpfe bei Jeans.


Für genähte punktuelle Befestigungen kommt eine
Riegelmaschine
zum Einsatz, im Bild eine
Dürkopp 557.
Sie eignet sich für mittlere bis schwere Materialien. Die
hydraulische Pressvorrichtung erleichtert das Platzierens
der Riegel entscheidend.
Pelz wird hauptsächlich mit einer
Tellertransportmaschine verabeitet.
Beim Tellertransport wird das Material von links zwischen
zwei gezahnte Scheiben eingeführt, was einen gleichmässigen Transport erlaubt.
Die Tellermaschine erstellt einen Einfaden-Überwendlichstich.
Beim Nähablauf muss darauf geachtet werden, dass die Fellhaare zwischen
die Lederseiten gestrichen werden.

Zurzeit ist der
Zuschnitt noch etwas primitiv organisiert. In
absehbarer Zeit sollte ein angenehm grosser Tisch, sowie
eine Handlegewagen die Möglichkeiten erweitern. Bei den beiden abgebildeten
Maschinen handelt es ich sich um
Elektromesser und ein Bullmer Markierwunder.
Letzteres funktioniert wie ein Bohrer und wird benötigt, sobald
durch mehrere Lagen gleichzeitig Bohrlöcher markiert werden.

Die Maschinen gelangen auf verschiedenen Wegen zu mir. Einige
stammen von ehemaligen Lieferanten, die ihre Näherei aufgelöst
haben, andere habe ich geschenkt erhalten. Die meisten finde ich
auf dem Internet. Um die Wartung und Neumontage der Maschinen kümmere ich mich
hauptsächlich selber.
Mittlerweilen hat sich ein beachtliches Wissen angesammelt. Suchen
Sie etwas Bestimmtes, ein Manual oder einfach einen Tipp, helfe
ich gerne weiter.